Malerei & Skulptur

EXPERIMENTELLER EXPRESSIONISMUS

MEINE ARBEITEN

„In meinen Bilddarstellungen geht es nicht um das Vordergründige und Offensichtliche, sondern um die Bedeutungsebenen dahinter. Bei meinen Portraitbildern steht für mich die Darstellung der Persönlichkeit und Individualität des jeweiligen Menschen im Vordergrund. Es geht nicht um die äußere Fassade, sondern um ein Abbild dessen, was das Innere und Wahrhaftige des Menschen widerspiegelt. „Wir können nicht in einen Menschen hineinsehen“, aber dennoch kann man schemenhaft, wie durch eine vernebelte Wand, das wahre Wesen dahinter erkennen. Besonders interessieren mich Menschen, die „vom Leben gezeichnet sind“, deren Lebensspuren sich im Gesicht widerspiegeln – Menschen aus anderen Kulturkreisen, Menschen am Rande der Gesellschaft und Menschen, die durch Krieg und Vertreibung gezeichnet sind. Menschen, die im Gegensatz zu unseren heutigen „perfekten“ Hochglanz-Zeitschriften-Models stehen.
So entstehen auch meine Landschaftsbilder nicht aus der objektiven Betrachtung einer Landschaft, sondern aus meinem Inneren heraus, aus meinen Gefühlen und Stimmungen. Diese „Seelen-Landschaften“ entwickeln sich durch Farbe, Material und Malweise und werden erst auf der Leinwand objektiv fassbar.
Meine Malerei ist eine Sprache in Metaphern, eine Sprache, die sich nicht durch Worte ausdrückt, sondern die das Innere auf einer objektiven Ebene dauerhaft verwirklicht. Eine Brücke von innen nach außen. So kann der Betrachter auf dieser Brücke, von außen nach innen, von der Betrachtung des Bildes zu sich selbst Bezug nehmen. Er kann sich damit identifizieren und das Bild aus seinen Erfahrungen und Sichtweisen heraus interpretieren.
Je nach eigener Anforderung an das umzusetzende Thema greife ich auf unterschiedliche Materialien und Malweisen zurück. Dabei kann es für mich erforderlich sein, ein Bild in fast abstrakter Weise darzustellen – intuitiv, spontan, expressiv, mit schnellen Pinselstrichen, ohne größere Vorüberlegungen und dabei auch dem Zufall einen Platz einräumend. Oder es erfordert Bedacht, Genauigkeit und eine beinahe naturgetreue Darstellung mit vorangegangener Planung und Skizzen. Diese beiden Malweisen nutze ich nicht prinzipiell voneinander getrennt, sondern sie können auch fließend ineinander übergehen. Wie eine Sinfonie in der Musik, mal laut und schreiend, mal leise zart zerbrechlich, kommen diese Malweisen zum Einsatz, um dem Bild den gewünschten Ausdruck zu verleihen.
Viele Malmittel und Materialien, die in meinen Bildern Verwendung finden, werden von mir selbst erst während des Malprozesses spontan und in Bezug auf die Erfordernisse des jeweiligen Bildes zusammengestellt. So kommen in meinen Bilder häufig keine fertigen Acrylfarben zum Einsatz, sondern selbst hergestellte Acryl- oder Ölfarben aus Pigmenten, Moorlauge, Kohle sowie Strukturen aus Erde, Sand, Marmormehl und andere Naturprodukte.
Bei collagierten Bildern verwende ich gerne Abfallprodukte, die gezielt als Metaphern eingebaut werden. Kleine Kunststoffsoldaten, abgebrannte Kerzenstummel und Knallfrösche, Warnschilder und Armee-Verbandsmaterial finden ihren endgültigen Platz in den Bildern, um deren Aussagekraft gezielt damit zu unterstreichen. Das Platzieren dieser Objekte, das Kombinieren der Formen und Farben und der Einsatz der unterschiedlichen Materialien ist dabei niemals willkürlich. Zwar geschieht dies oft spontan, aus der Intuition heraus, aber dennoch nur mit dem genauen Wissen von den gestalterischen Gesetzmäßigkeiten. Wie in der Musik, die im Prinzip den gleichen Gesetzen wie der Kunst unterliegt, kommt es mir auf eine spannende und ausgewogene Komposition an, die zugleich einen eigenen sprachlichen Ausdruck auf bildnerischer Ebene erschafft.“

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Ausstellung „menschlich“, Rathaus Weingarten (Baden)
Laudatio von Günter Weiler / Waldbronn / g.weiler@galeria14.de:

“ „Kunst ist wie eine Generalprobe fürs Hirn“, stellt der Emotions- und Hirnforscher Antonio Damasio fest. Er bezieht dies auf Besucher einer Kunstausstellung und deren unterschiedliche Ambivalenz beim Erleben eines Bildes: Jeder von uns sieht ein Bild unterschiedlich, interpretiert es anders, besitzt andere Sehgewohnheiten und nicht zu vergessen einen unterschiedlichen Geschmack.

Was sehen wir heute bei der Ausstellung von Sabine Grötzbach?
Markante Gesichter, perfekt dargestellte Portraits mit äußerst gefühlsbetonter Mimik. Expressive, farbintensiv gemalte Menschengruppen oder einzelne Menschen z.B. beim Musizieren – sowie einige wenige Landschaftsbilder. Der Schwerpunkt der Ausstellung mit dem Titel „MENSCHLICH“, eröffnet uns ebenso Einblicke in die vielfältigen Inhalte dieses Themas, wie auch, das sollte man nicht vergessen: In die Person Sabine Grötzbach!

Um Ihnen die Künstlerin gebührend vorstellen und würdigen zu können, würde es eigentlich mehr Zeit erfordern, als in eine Laudatio passt und es ist auch nicht spontan möglich, sie (einfach so), künstlerisch hervorzuheben. Zu vielschichtig, zu breitgefächert ist ihr Können und Wirken. Sie verfügt über ein immenses Repertoire an ideenreichen Ausdrucksmöglichkeiten, eine scheinbar unendliche Kreativität.

Fangen wir aber von vorne an: Sabine Grötzbach wurde in Baden-Baden geboren. Nach dem Abitur und ihrem Abschluss zur staatlich geprüften Grafik-Designerin in Karlsruhe, mit den Schwerpunkten Grafik-Design, Typografie, Schriftgrafik und Freies Zeichnen, arbeitete sie in einer Werbeagentur, wo sie ihre Kreativität und ihr zeichnerisches Talent nutzen und in perfekte Gestaltung umsetzen konnte.
Parallel dazu fand sie zur Malerei. Seit 2009 stellt sie öffentlich aus, mehrfach im Jahr. Sie bildet sich intensiv weiter und besucht Kurse bei namhaften Künstlern. Sabine Grötzbach unterrichtet seit 2013 selbst an der VHS Weingarten experimentelle Malerei. Sie ist heute freischaffende Künstlerin, Mitglied in zahlreichen Kunstvereinen und lebt ihre Fähigkeiten, ihre Ideen und ihre Talente in der bildenden Kunst aus, neuerdings sogar auch dreidimensional und skulptural mit der martialischen Kettensäge.
Dieser zielstrebige Werdegang basiert auf Sabine Grötzbachs mittlerweile gemachten Erfahrungen und Erfolgen im gekonnten Umgang mit Farben, Formen, Materialien und Werkzeugen. Ihr Vorgehen basiert auf Spontanität und immer auf ihrer Intuition. Sie arbeitet mit dem Schwerpunkt „Mensch“ in Portrait-Malerei, Portrait-Zeichnung und Holzskulpturen, zu ihrem Oeuvre gehören darüber hinaus auch Landschaftszeichnungen und Landschaftsbilder, dazu gehören aber auch abstrakte (experimentelle) Arbeiten.

Wie Sie sicher bei den Exponaten schon festgestellt haben, fällt die Vielseitigkeit der Künstlerin auf, was die Motivgestaltung, die Verwendung der Malmittel und Materialien und die Kombinationen untereinander betrifft. Ich zähle gerne mal auf:
Bleistift-, Kohle, Aquarell, Tusche, Acryl und Öl, oft selbst hergestellt, Pigment, Erde, Sand, Marmormehl, Moorlauge und andere Naturprodukte, Baumaterialien (z.B. Gips), sogar Kaffee. Als Malgrund nimmt sie Papier und Leinwand.

Gefragt, was sie mit den Exponaten, verstärkt durch den Ausstellungstitel „Menschlich“, ausdrücken will und wie sie das Ausstellungskonzept angelegt hat, antwortete mir die Künstlerin:
„Menschlich“ steht für mich im Gegensatz zu unserer heutigen technologisierten, „kalten“, leistungsorientierten Gesellschaft mit ihrem Perfektionismus, Profit- und Leistungsdenken, wo es an Menschlichkeit eher mangelt. „Menschlich“ zielt auf die Stärken und Schwächen von uns, weil jeder Mensch anders ist, mit unterschiedlichen Persönlichkeits-, Charakter- und Wesenszügen. Wir alle stehen immer unter dem Einfluss von außen: Kulturell und gesellschaftlich, bei den Auswirkungen von Wertesystemen, Erziehung, Stress und Druck. All dies wird mit und durch die meisten meiner Bilder und Skulpturen gezeigt.“

Gefragt nach Einsichten und Vorbildern, die Einfluss auf ihre Kunst hatten und haben, nennt sie ihr allgemeines Interesse an kunstgeschichtlichen Hintergründen und dadurch sei sie auch auf Karl Hubbuch und Henri de Toulouse-Lautrec gestoßen, die ja oft – wie sie auch – szenisch abgebildet haben.
Karl Hubbuch war in Karlsruhe geboren und starb auch dort. Hubbuch hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert und danach an der Schule des Museums der angewandten Künste in Berlin unter Emil Orlik, zur gleichen Zeit als George Grosz dort auch Kursteilnehmer war. Hubbuch und Grosz waren beide Vertreter des Verismus und der „Neuen Sachlichkeit“. Diese neorealistische Kunst vertrat er aber weniger politisch als Kollegen wie Grosz und Dix.
Noch heute wird Hubbuchs Schaffen im Museum Schloss Gochsheim in Kraichtal gewürdigt, dort befindet sich auch die wohl größte Sammlung seiner Arbeiten.
Toulouse-Lautrec, bekannt durch seine ungeschminkten Szenen des Pariser Nachtlebens rund um den Montmartre, ist Vertreter der legendären Belle Époque. Er war in erster Linie Porträtist: Der einzelne Mensch, nicht die Menge, war sein Thema. Vor allem aber spielte er eine führende Rolle in der Entwicklung von Plakaten mit Hilfe der Farblithografie, die heute als Meilenstein der Werbung angesehen werden. So schließt sich der Kreis wieder, sieht man mal auf die Berufswahl von Sabine Grötzbach als Grafik-Designerin.

Ich weiß nicht, ob sie die Autorin Margarete Bruns (1873-1944) und ihr Buch „Die Weisheit des Auges“ kennen. Sie sagt dort sinngemäß:
„Bilder sind in ihrer ursprünglichen Bedeutung Wunderzeichen, Sinnträger aus der unbewusst schauenden Fantasie des Menschen, gemacht aus Traum- und Welt–Bild oder, wie es im altsächsischen hieß, bilidi: Wunderzeichen, Urbild, zufällige Informationen als Bilder. Auf das also, wofür der Künstler keine, ich möchte sagen: Kein Künstler eine Strategie besitzt. Dass ein Kunstwerk sein Gegenüber anspricht, das kann nicht bewusst vermittelt werden. Schon gar nicht im Vorhinein.“

Fazit: Bilder sind und bleiben immer die Sprache des Unbewussten. Sie schaffen für uns neue Welten von Wirklichkeit. Bilder oszillieren stets zwischen mehreren Bedeutungs- und Interpretationsebenen. Trotzdem nehmen wir ihre Macht und ihr geheimnisvolles Dasein oft kaum wahr, denn als Gegenspieler des Wortes sind sie die schweigende Hälfte unserer Welt, die Sprache des Unbewussten.

Ich möchte sie nun noch etwas in die künstlerische Gefühls- und Gedankenwelt unserer heutigen Protagonistin einführen und gehe zu diesem Zweck auf ihren Malstil, ihre Technik und auf künstlerische Hintergründe ein.
Sie nutzt, wie schon gesagt, Papier und Leinwand als Bildträger, sie collagiert, arbeitet mit Schablonen, verwendet Sprays etc. oder ganz klassisch Pinsel und Spachtel; sie malt, wischt, lasiert, nutzt deckende, opake und haptische Farbaufträge. Sie hat sich ein breites Spektrum an Wissen im Umgang mit den unterschiedlichsten Einsatzmitteln angeeignet und kann diese nach Bedarf und je nach dem gestellten Thema oder Aufgabe abrufen. Maltechnisch ist sie gründlich und dennoch oft absichtlich schnell, spontan locker expressiv. So kann der Verstand ausgeschaltet werden und die Empfindung direkt auf die Leinwand fließen. Die besten Bilder entstehen ohnehin meist dann, wenn man nicht viel denkt.

Bei ihrem Thema „Mensch“ sucht sie meist Bildvorlagen von Menschen nach deren bestimmten Gefühlsstimmungen und markanten interessanten Gesichtsmerkmalen aus – sie nutzt dabei keine Bilder von Hochglanzmodels, nein – eher von Menschen mit einer besonderen Persönlichkeit, Stimmung oder Gesichtsausdruck.
Besonders interessieren sie Menschen, die „vom Leben gezeichnet sind“, wo sich Spuren im Gesicht widerspiegeln – Menschen aus anderen Kulturkreisen, Menschen am Rande der Gesellschaft und die auch ein gewisses Schicksale vorweisen. Menschen also, die im krassen Gegensatz zu unserem heutigen „perfekten“ Alltag stehen. Bei diesem Vorgehen steht für sie die Darstellung der Persönlichkeit und Individualität jedes Einzelnen im Vordergrund. Es geht nicht nur um die äußere Fassade, sondern auch um ein Abbild dessen, was das Innere und Wahrhaftige des Menschen ausmacht.
Keines ihrer „gemalten Gesichter“ entspricht dann der Vorlage, es soll keine Replikation sein, sondern eindeutig Gefühle und die Stimmungen wiedergeben. Gekonnt mischt sie Illustrativ-zeichnerisches und Malerisches in ihren Bildern.
Manchmal spielt der absichtlich herbeigeführte Zufall im Farbfluss eine Rolle, um die Spontanität, die Lockerheit und die Gefühlswelt der darzustellenden Person zu unterstreichen. Manchmal setzt sie kontrapunktisch einen Farbklecks dahin, wo er eigentlich nicht hingehört und trotzdem passt es!
Sabine Grötzbach verkneift sich auch nicht, die Charaktere manchmal auch mit einem Funken Ironie etwas überzogen, überspitzt darzustellen (wie z.B. bei dem Bild „Kaffeeklatsch“) oder auch dramatisch zu verstärken, wie bei „Schrei“. Ihre Objekte und Malereien werden von ihr oft intuitiv mit „Gegenständen“ verbunden/collagiert/eingearbeitet, die als Metapher eine Symbolik erzeugen sollen. Es geht ihr augenfällig um die Bedeutungsebenen dahinter. Vielfach arbeitet sie intuitiv mit diversen Techniken gleichzeitig und macht so die Bilder für uns Betrachter interessant.

Die Arbeiten von Sabine Grötzbach besitzen eine hohe Ausdruckskraft. Je nach Anforderung des umzusetzenden Bildthemas setzt die Künstlerin gezielt unterschiedliche Gestaltungsmittel, Farben und Materialien ein und setzt dabei auf ihre Spontanität und Intuition. Ihre dennoch solide Komposition jedes Bildes, der Aufbau und die Ausführung zeugt von einem Beherrschen der Kunst, der Technik und des Raumes und erzeugt eine ganzheitliche Harmonie. Diese verleiht ihren Gemälden eine besondere Lebendigkeit und eine seelische Tiefe. Sei will, dass die Bilder zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit sich selbst anregen.
So entstehen auch ihre differenzierten Landschaftsbilder. Nicht aus der objektiven Betrachtung einer Landschaft, sondern aus ihrem Inneren heraus, aus ihren Gefühlen und Stimmungen. Diese „SeelenLandschaften“, wie sie sie nennt, entwickeln sich durch Farbe, Material und Malweise und werden erst auf der Leinwand objektiv fassbar. Ihre Malerei ist eine Sprache in Metaphern, eine Sprache, die sich nicht durch Worte ausdrückt, sondern in Farben und Formen, in Bildideen und technisch auf hohem Niveau.

Paul Klee, hat einmal gesagt: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar!“ Ein nachdenkenswerter Satz, so als ob Klee schon damals gewusst hätte, wie man Sabine Grötzbachs Arbeiten am besten beschreiben kann:
Ihre Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, ihre Kunst macht sichtbar!
Ihre umgesetzten Ideen, ihre Kreativität und ihre Bildwirkungen berühren deshalb unsere emotionale Seite nicht nur oberflächlich, sondern auch mit großer Tiefe, denn sie bringt ihre Intensionen teils sensibel, teils expressiv zu Papier oder auf die Leinwand.

Lassen Sie mich mit einem weiteren Zitat enden, das ich im Rahmen meiner Recherchen gefunden habe und das Pablo Picasso zugeschrieben wird:
„Es gibt Maler, die aus der Sonne einen gelben Fleck machen, aber es gibt auch die, die mit Überlegung und Geschick aus einem gelben Fleck eine Sonne machen.“
Sabine Grötzbach zeigt uns mit dieser Ausstellung eindeutig, dass sie schon aus vielen gelben Flecken Sonnen gemacht hat.

In diesem Sinne überlasse ich Sie nun den Arbeiten von Sabine Grötzbach und hoffe, dass all das, was ich in dieser Laudatio versucht habe zu beschreiben, die Künstlerin Ihnen etwas näher gebracht hat.
Dir Sabine – wünsche ich viel Erfolg bei Deiner Ausstellung und allen weiteren Projekten. Ihnen, liebe Gäste, danke ich für die Wertschätzung als geduldige Zuhörer.“